| Langes Predigen |
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Im Alter kehrte ein jung Ausgewanderter als reicher Mann in sein Heimatdorf zurück. Der alte Dorfpfarrer nutzte die Gelegenheit und klagte ihm, dass das Geld für die dringende Renovation der alten Kirche und für den Ersatz der Kirchenglocke fehle, da die Spenden nur sehr spärlich flössen. Der Reiche fand schnell heraus, dass die etwas allzu langen Mahn-Predigten des Pfarrers die Dorfbewohner vom Gottesdienstbesuch abhielten. Die wenigen, die durchhielten, drängten sich in den hintersten Bänken, um noch vor dem erlösenden Amen aus der Kirche zu schleichen. Der reiche Heimkehrer entwickelte einen Plan und versprach dem Pfarrer, sich um die Renovation zu kümmern. Um freie Hand dafür zu haben, schickte er den Pfarrer in die Ferien. Endlich war es soweit: Die in neuem Glanz erstrahlende Kirche konnte eingeweiht werden. Erstmals riefen an diesem Tag auch die neuen Glocken die Dorfbewohner mit hellem, heiteren Ton zusammen. Die Leute staunten nicht schlecht, als sie die Kirche betraten, standen da doch im ganzen Kirchenraum gerade mal zwei Bänke hinten links und rechts vom Eingang. Sobald die beiden Bänke voll waren, drückte der Messmer einen Knopf und wie von Geisterhand bewegt rollten die Bänke nach vorn vor den Altar. Hinten kamen durch eine Öffnung im Kirchenboden zwei neue Bänke vom Keller hoch, die dann, voll besetzt mit Gottesdienstbesuchern, ebenfalls nach vorne rollten. Die anfänglich verwirrten Dorfbewohner amüsierten sich über dieses Schauspiel, und alsbald war die Kirche bis zum Bersten mit vergnügten Menschen gefüllt. Tief dankbar und nach den Ferien richtig erholt setzte der alte Pfarrer schwungvoll zu seiner ersten Predigt in der neuen Kirche an, holte bei den ewigen Wahrheiten Gottes noch etwas weiter aus als sonst und wurde nicht müde, seine Schäflein in gewohnter Manier zu christlichem Lebenswandel zu ermahnen. Doch, oh Wunder, nach genau 40 Minuten verschwand der Altar mit dem verdutzten Dorfpfarrer langsam im Kirchenboden und die neuen Kirchenglocken begannen, den Gottesdienst auszuläuten .... Quelle: NAK Bad Ragaz
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